Bericht aus dem Gemeinderat, 23. Februar 2026 Teil 1

Veröffentlicht am 27.02.2026 in Gemeinderat

Seniorenbefragung und Berichte der Beauftragten

Präsentation der Ergebnisse zur Seniorenbefragung

Gute Voraussetzungen, um demografischen Wandel zu gestalten

 

 

Nachdem im Sommer letzten Jahres eine Befragung der über 60-jährigen Bürgerinnen und Bürger durchgeführt wurde, stellte jetzt ein Vertreter der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (afa) die Ergebnisse vor.

Zentrale Fragestellungen für die Seniorenpolitik in Neuendettelsau waren die Fragen nach einem selbstbestimmten und bedarfsgerechten Wohnen im Alter, die soziale Teilhabe sowie die Weiterentwicklung und Stärkung nachbarschaftlicher Unterstützungsstrukturen und des bürgerschaftlichen Engagements.

Einsamkeit durch ehrenamtliche Tätigkeit vorbeugen

Die Beteiligung sei bei der Befragung vergleichsweise hoch gewesen, insbesondere bei den „jüngeren Senioren“. Ein Anstieg dieser Altersgruppe sei ein besonders prägender demografischer Trend für Neuendettelsau. Daraus ergebe sich eine Chance für eine ehrenamtliche Tätigkeit, so die Forschenden. Es würden sich 116 der Befragten gerne ehrenamtlich engagieren. Diese Altersgruppe ist häufig noch aktiv, mobil und engagiert, steht jedoch zugleich vor neuen Lebensübergängen. Um Einsamkeit frühzeitig vorzubeugen und soziale Teilhabe zu sichern, ist es laut der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung von zentraler Bedeutung, diese Gruppe frühzeitig in tragfähige soziale Strukturen einzubinden und ihnen passende Beteiligungs-, Engagement- und Begegnungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Information, Beratung und Orientierung stärken

Gefragt sind laut den Studienergebnissen auch Beratungsangebote, insbesondere für ältere Senioren und Seniorinnen. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist auch, dass die zukünftigen Herausforderungen in der Weiterentwicklung, der besseren Vernetzung und in der zielgerichteten Nutzung der vorhandenen Angebote liegen. Daraus ergäbe sich der klare Auftrag, Information, Beratung und Orientierung weiter zu stärken und vorhandene Angebote transparenter und zugänglicher zu gestalten, so die Fachleute.

Stabile Grundlage für die kommunale Seniorenpolitik

Die Auswertung der Befragung zeigt, dass die Gemeinde Neuendettelsau für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen des demografischen Wandels insgesamt gut aufgestellt ist. Im Vergleich zu vielen anderen Gemeinden verfügt Neuendettelsau über tragfähige und gut ausgebaute Strukturen in der Seniorenarbeit sowie über eine überdurchschnittlich gute Versorgungslandschaft. Diese gewachsenen Strukturen würden eine stabile Grundlage für die weitere Entwicklung der kommunalen Seniorenpolitik bilden, so das Fazit der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung.

Die Ergebnisse der Studie werden demnächst auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.

Bürgermeister Christoph Schmoll (SPD) zeigte sich einerseits erfreut über den Umstand, dass die hohe Teilnahme an der Studie zu repräsentativen Ergebnissen geführt habe. Andererseits auch darüber, dass die Bewertung der Gemeinde Neuendettelsau bereits jetzt einen vergleichsweise guten Stand attestiert. Nun müsse überlegt werden, welche konkreten Verbesserungen noch möglich wären.

Die kompletten Ergebnisse der Studie werden jetzt den Fraktionen zur internen Besprechung und Weiterarbeit zur Verfügung gestellt.

Bericht der Beauftragten des Gemeinderates

Zu Beginn der aktuellen Wahlperiode wurden durch Bürgermeister Schmoll Beauftragte für bestimmte Bereiche des sozialen Miteinanders geschaffen, die aus dem Gremium gewählt wurden. In der letzten Sitzung berichteten sie über die Aktivitäten von 2020 bis 2026.

Bericht der Beauftragten für Soziales Birgit Bischoff

Vernetzung und Lebensqualität im Fokus

Die soziale Arbeit in Neuendettelsau steht aktuell im Zeichen wachsender Herausforderungen in den Bereichen Integration, Jugend und Seniorenarbeit, so die Beauftragte für Soziales Birgit Bischoff (SPD).

Um diesen zu begegnen, setzt die langjährige Gemeinderätin auf eine verstärkte Vernetzung und die Bündelung bestehender Angebote, um Bedarfe frühzeitig zu erkennen und nachhaltige Unterstützung für alle Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten. Als zentrale Ansprechpartnerin berät sie zu Themen wie Pflege, barrierefreiem Wohnen und Kinderbetreuung, während sie gleichzeitig die Zusammenarbeit mit Vereinen, kirchlichen Trägern und dem Unterstützungskreis „Sicherer Hafen“ im Blick hat.

Von der MVZ-Gründung bis zur Stärkung des Ehrenamts

Besondere Meilensteine bilden die Sicherung der lokalen Infrastruktur: Mit der Eröffnung des bayernweit ersten kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im Februar 2025 wurde ein wegweisender Schritt zur hausärztlichen Versorgung getan. Ergänzt wird dieses Angebot durch die neue Zweigstelle der Pflegeberatung des Landratsamtes direkt vor Ort.

Für die Zukunft müsse laut Birgit Bischoff das Augenmerk auf dem Ausbau niedrigschwelliger Beratungsangebote sowie der Etablierung eines Behindertenbeauftragten und von Gemeindenotfallsanitätern liegen. Ein zentrales Anliegen bleibt dabei die Pflege der Vereinskultur, die mit 54 Organisationen das Rückgrat des sozialen Lebens bildet.

Der Beauftragten für Soziales ist es wichtig, dass trotz voranschreitender Digitalisierung der persönliche Kontakt im Rathaus – besonders für Menschen mit Behinderung und Senioren – gewahrt bleibt, um das zwischenmenschliche Gespräch als festen Bestandteil der Gemeindekultur zu sichern. Den Bericht schließt Gemeinderätin Birgit Bischoff mit einem herzlichen Dank an Bürgermeister Schmoll, die Verwaltung und dem Seniorenbeauftragten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Bericht des Seniorenbeauftragten Manfred Riedel

Neuendettelsau setzt Maßstäbe in der Seniorenpolitik

In einem umfassenden Rückblick präsentierte der Seniorenbeauftragte des Gemeinderates, Manfred Riedel (SPD), die Entwicklung der Seniorenarbeit in Neuendettelsau. Sein Bericht im Gemeinderat verdeutlichte den Wandel von einer pandemiebedingt eingeschränkten Phase hin zu einer dynamischen, eng vernetzten Struktur, die unter dem Leitmotiv steht: „Gemeinsam gelingt’s besser.“

Strategisches Fundament und starke Netzwerke

Ein entscheidender Erfolgsfaktor der letzten Jahre war die enge Verzahnung zwischen dem Seniorenbeirat und dem „Lokalen Bündnis für Familie“. Durch personelle Brücken – wie Wolfgang Kinkelin, der in beiden Gremien aktiv ist – wurden Synergien geschaffen und Projekte auf kurzem Weg realisiert. Den Grundstein für diese erfolgreiche Arbeit legten eine Strategieklausur im Jahr 2022 sowie eine Zukunftswerkstatt im November 2024, in denen gezielt Arbeitsgruppen für die Schwerpunkte gebildet wurden.

Das neue Seniorenkonzept: Die Stimme der Bürger zählt

Ein Meilenstein der Amtsperiode ist die Erstellung eines passgenauen Seniorenkonzeptes in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung (AfA). Herzstück war eine breit angelegte Befragung der Generation 60+, die im Juli 2025 abgeschlossen wurde. Die Ergebnisse liegen nun vor und definieren die Prioritäten für die kommenden Jahre: Mobilität, Information, Ehrenamt sowie moderne Wohnformen. Eine Sondersitzung des Seniorenbeirates zur konkreten Umsetzung dieser Maßnahmen ist bereits für den 11. März 2026 terminiert.

Sichtbare Erfolge: Von Bürgerbus bis Demenzsensibilität

Der Bericht des Seniorenbeauftragten Manfred Riedel zeigte, wie Theorie in gelebte Praxis umgesetzt werden kann.

Das Projekt „Bürgerbus“ hat enorme Fahrt aufgenommen. Über 30 Bürger zeigten bei einem Treffen Interesse an einer Mitarbeit, wobei sich spontan 17 Personen als Fahrer und Fahrerin zur Verfügung stellten. Ein umfassendes Konzept wurde bereits erarbeitet.

Mit den ersten Neuendettelsauer Demenzwochen im November 2025 wurde ein wichtiges Zeichen gesetzt. Unterstützt durch den Bayerischen Demenzfonds sollen künftig weitere Veranstaltungen und Projekte durchgeführt werden.

Der 2023 eröffnete Bürgertreff hat sich mit Angeboten wie dem Senioren-Mittagstisch und den „Offenen Treffen“ als feste Instanz gegen Einsamkeit etabliert.

Dialog und Lebensfreude

Dass Seniorenpolitik auch Freude macht, zeigte die erfolgreiche Teilnahme am Kernfrankenfest 2025. Der „Wünsche-Baum“ des Seniorenbeirats wurde zum Ort für generationenübergreifende Gespräche und unterstrich die Sichtbarkeit des Seniorenbeirates im öffentlichen Leben. Auch im digitalen Bereich wurde mit Schulungen und der Nutzung der Plattform „Crossiety“ der Anschluss an die Zukunft sichergestellt.

Dank und Ausblick

Manfred Riedel schloss seinen Bericht mit einem herzlichen Dank an den Gemeinderat, die Seniorenbeauftragte der Gemeinde, das Bündnis für Familie sowie insbesondere an die Mitglieder des Seniorenbeirates. „Die Begleitung durch einen Seniorenbeauftragten hat sich als essenzielles Bindeglied erwiesen, um Projekte nicht nur zu planen, sondern erfolgreich umzusetzen“, resümierte Riedel. In Neuendettelsau ist die Seniorenarbeit längst keine bloße Pflichtaufgabe mehr, sondern ein lebendiger Teil der Dorfgemeinschaft.

Bericht des Beauftragen für die Fairtrade Steuerungsgruppe

Bereits 2019 wurde Neuendettelsau als Fairtrade Town zertifiziert. Der Beauftragte, Thilo von Livonius Freiherr von Eyb (CSU), vertritt dabei den Gemeinderat innerhalb der Fairtrade-Steuerungsgruppe und fungiert als Bindeglied zur Kommune. Vertreten wird er durch Gemeinderat Manfred Riedel. Die Steuerungsgruppe koordiniert die Erfüllung der Kriterien für den Titel „Fairtrade-Gemeinde“ und sorgt für die regelmäßige Rezertifizierung (zuletzt im September 2023 bestätigt). Sie vernetzt lokale Akteure wie Geschäfte, Gastronomie, Schulen und Kirchengemeinden. Die Steuerungsgruppe organisiert Informationsveranstaltungen und Aktionen, um das Bewusstsein für fairen Handel und nachhaltigen Konsum in der Bevölkerung zu stärken.

Der Beauftragte Thilo von Livonius erläuterte zunächst den Grundgedanken und die Bedeutung von Fairtrade und zeigte neben dem Bereich der Nahrungsmittel auch fair gehandelte Kleidung auf. Anschließend berichtete er über Aktionen und Projekte seit 2020.

Viele Aktivitäten im Rathaus

Unter dem Motto „Fair und Nachhaltig“ wurde ein Leitfaden für eine nachhaltige, öko-soziale und regionale Beschaffung in der Gemeinde Neuendettelsau erstellt. Dazu zählt beispielsweise auch die Beschaffung einer fairen Arbeitskleidung für die Mitarbeitenden des Bauhofs und der faire Einkauf bei Geschenkkörben. Außerdem hat sich die Gemeinde dem Pakt für nachhaltige Beschaffung in der Metropolregion Nürnberg angeschlossen.

Im Rathaus fand auch mehrmals eine faire Kaffeepause für Mitarbeitende und in der Bücherei ein Infotisch zum fairen Konsum statt. Auf Dauer ist in der Gemeindebücherei ein Fair-o-mat aufgestellt, bei dem es Fairtrade Kaffee und faire Snacks gibt.

Besonders hingewiesen hat der Beauftragte Thilo von Livonius auch auf den „Neuendettelsauer Weltkaffee“.

Engagement von Amtsblatt bis Zusammenarbeit

Auch regelmäßige Vorträge zu Themen wie Kleidung, FAIRreisen, faire Fußbälle, und Kakaoproduktion haben den Fair-Trade-Gedanken unterstützt.

Weitere Aktionen waren regelmäßige Artikel im Amtsblatt, faires Frühstück im Weltladen und Infostände, beispielsweise beim Dorffest und beim Kernfrankenfest.

Ein weiterer Baustein der Steuerungsgruppe ist die Zusammenarbeit innerhalb Westmittelfrankens, mit der Metropolregion sowie lokal mit der Fairtrade University Augustana und der Fairtrade School Laurentiusgymnasium.

Der Beauftragte Thilo von Livonius bedankte sich herzlich für die konstruktive Unterstützung durch die Gemeinde. Ein besonderer Dank galt Beatrix Mettler-Frercks und Jürgen Frecks. Sie sind die zentralen Ansprechpartner und Organisatoren der Steuerungsgruppe.

Beauftragte auch in Zukunft

Bürgermeister Schmoll dankte am Ende allen drei Beauftragten für ihre engagierte Arbeit und betonte, dass die Berichte deutlich zeigen, wie wichtig die Arbeit der Beauftragten tatsächlich ist. Aus diesem Grund wünsche er sich auch für die kommende Wahlperiode wieder die Berufung der Beauftragten.