Betroffenheit über das Ausmaß der Armut

Veröffentlicht am 24.01.2008 in Veranstaltungen

SPD-Landtagsabgeordneter Dr. Thomas Beyer

Rege Diskussion beim AWO-Themenabend

Neuendettelsau – Bei dem Themenabend „Arm in einem reichen Land“ des Ortsvereines der Arbeiterwohlfahrt zeigte MdL Dr. Thomas Beyer auf, wie stark Armut auch in unserer Region verbreitet ist.
Der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt und SPD-Landespolitiker machte an konkreten Zahlen deutlich, dass alle Altersgruppen und viele Regionen in Bayern betroffen sind.
Es war bedrückend, zu hören, wie viele Alleinstehende und Familien mit Kindern aufgrund des geringen Familieneinkommens mit sehr wenig Geld über die Runden kommen müssen. Besonders für Kinder ist es schlimm, wenn sie aufgrund der Armut ihrer Eltern von vielfältigen schulischen Aktivitäten im kulturellen Bereich ausgeschlossen werden.

Thomas Beyer warnte vor einer zunehmenden Altersarmut, die auch die familiären Strukturen in Bayern immer weiter belastet. „Rentnerinnen und Rentner gehören zu denjenigen, an denen der Aufschwung in Bayern wie kaum an einer anderen Bevölkerungsgruppe vorbeigeht“, stellte Beyer fest. Er verwies darauf, dass seit 2004 erhöhte Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung, gestiegene Sozialversicherungsbeiträge und ein Kaufkraftverlust wegen ausgebliebener Rentenerhöhungen die Rentnerinnen und Rentner immer weiter belasten. Verstärkte Altersarmut ist außerdem zu erwarten, weil aufgrund der Erwerbsbiografie mit Arbeitslosigkeit und geringem Verdienst auch die Rentenansprüche der Betroffenen geringer ausfallen. „Mit der Altersarmut droht die Familienarmut. Staat und Gesellschaft sind reich genug, um dieser beschämenden Entwicklung Einhalt zu gebieten“, so MdL Beyer. Dabei könne allerdings nicht die steigende private Mildtätigkeit den Sozialstaat ersetzen.
Auch unsere Gemeinderatskandidatin Edeltraud Merker bestätigte für Neuendettelsau und Umgebung einen steigenden Bedarf an Unterstützung. Etwa 70 Berechtigungsscheine wurden inzwischen ausgegeben.
Auf die Nachfrage eines Zuhörers fasste Manfred Riedel die Aktivitäten der Arbeiterwohlfahrt vor Ort zusammen. Neben der konkreten Unterstützung Einzelner und der gezielten Information über Hilfsmöglichkeiten setze die AWO auf Begegnung und Vernetzung. So würden regelmäßig Themen- und Begegnungsnachmittage durchgeführt, um einer sozialen Verarmung vorzubeugen. Ebenso verwies er auf die SPD-Aktivitäten im präventiven Bereich, wie das Bewerbungstraining und die Familienkanutour. Die zunehmende Armut müsse auch ein Thema der Kommunalpolitik sein, so Bürgermeisterkandidat Manfred Riedel. Ein besonderes Augenmerk sei dabei auf vorbeugende Maßnahmen zu richten. SPD-Gemeinderätin Bettina Stein-Müller berichtete über Ansätze der politischen Gemeinde, die von der SPD-Fraktion angeregt und umgesetzt wurden, wie beispielsweise die Aussetzung des Büchergeldes, die preisgünstigen Ferienspaßangebote und die Aufstockung der Stunden für den Streetworker.